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Spaten und Hacken öffnen uralte Tore im Dunkelschacht.

Ein schweigendes Monument erhebt sich im Nebeldunkel der Schneise.

Buchenwipfel stehen dicht beieinander. Moos dämpft unsere Schritte. Eine lichte Schneise öffnet Raum für ein massives Monolith aus grauem Marmor. Wir umrunden das Denkmal, erfühlen den kühlen Hauch unter seiner glatten Oberfläche. Efeuranken klettern in unregelmäßigen Bahnen, sie verbergen Risse, in denen algengrün gefärbtes Wasser glänzt. Ein altes Gefühl drückt auf unsere Brust, wir müssen Sprüche flüstern, damit der Stein uns anhört. Die Abendluft riecht nach feuchter Erde und faulem Laub. Jeder von uns hält ein Werkzeug Spaten Hacke Taschenmesser. Ein stummes Abkommen liegt in der Luft. Niemand zögert. Wir legen Griff an Griff an den harten Stein fühlen die Spannung wachsen derweil die Sonne ihr letztes Purpur in die Baumkronen wirft.

Die uralte Gravur im Marmor flüstert vergessene Gesetze.

Die Klinge meines Taschenmessers trägt winzige Kerben die beim Schneiden ächzen. Ich fahre mit der Spitze über verwaschene Inschriften entdecke dünne Linien die in Kreisen enden. Jeder Strich erzählt von einer Regel deren Worte abgenutzt sind. Ein Riss öffnet sich vor meinen Augen. Ich taste den Grat höre ein hohles Klopfen im Inneren des Denkmals. Ein leises Echo antwortet als rücke jemand eine Bank in einer fernen Kirche. Mit der Hacke kratze ich Erde aus einer Spalte überall splittert Stein und sandt staubiges Licht in unsere Gesichter. Ein Hauch Furcht liegt in meinem Magen doch ich unterdrücke das Flattern meiner Brust. Die Gravur formt sich neu als spürte sie unseren Willen.

Vom Spaten geöffnete Tore offenbaren verborgene Tiefen.

Der Spatenblatt dringt tief in den weichen Lehmboden neben dem Monolith. Jeder Spatenstich gräbt einen Krater in dem Wurzeln nachgeben. Ich helfe dem Freund neben mir halte die Hacke am Schaft fest während er umgeschichtete Erdklumpen beiseiteschiebt. Unter dem Boden widerhallt ein metallisches Ploppen. Der Spaten stößt auf eine Klappe aus Eisen. Rost bröckelt in Flocken der Ring für den Hebel hängt lose. Wir heben das Deckelstück und sehen eine Treppe die in Dunkel führt. Eine schwache Luftströmung weht zarter Primelduft entgegen. Ich blinzle als das letzte Rot der Sonne über die Buchenkronen verklingt.

Das klingende Taschenmesser weckt vergessene Harmonien.

Im Schein unserer Fackeln funkeln millimetergenaue Rillen im Stein der Stufen. Ich ziehe das Taschenmesser klopfe mit der Klinge an eine Rille. Ein Klangschwall schießt durch den Schacht. Ein Ton so klar dass er unsere Eingeweide vibrieren lässt. Weitere klirrende Melodien erheben sich von Wänden die niemand je berührt hat. Jedes Kratzen meiner Klinge holt neue Akkorde hervor. Wir folgen dem Geräusch in eine Kammer in deren Zentrum ein Steinaltar thront. Darauf ruhen Artefakte aus Messing und Horn deren Farbe an fließendes Metall erinnert. Unsere Schatten bewegen sich auf dem Boden während der Altar die Luft in Resonanz versetzt.

Gesetze aus Blut und Erde flimmern im flackernden Altarlicht.

Der Altar trägt Gravuren die wir bisher nur schemenhaft erkannt haben. Mit meinem Taschenmesser ritze ich die Regelpunkte nach spüre wie Eisenstaub auf meiner Haut zerfällt. Die Hacke gräbt winzige Kanäle in die ich ein paar Tropfen meines Bluts tropfe. Die Erde um uns leuchtet bernsteinfarben. Ein Rinnsal steigt entlang der Wände. Meine Kameraden sehen zu atmen still. Es regt sich ein Summen in den Fugen. Eine Grundregel erweist sich als uralte Formel. Jeder Tropfen meines Bluts erfüllt seine Zeile das Kammerlicht bebt in goldenen Blitzen.

Ein Schwur am Abgrund sprengt Ketten und entfesselt den Geisterhund.

Das Summen erreicht einen fließenden Rhythmus als öffnet sich eine Pforte hinter dem Altar. Ein Abgrund gähnt uns entgegen pechschwarzes Loch dessen Tiefe niemand erahnt. Die Regel verlangt einen Schwur. Wir legen Spaten und Hacke ab heben die Hand. Das Messer halte ich hoch. Jeder wiederholt stumm die Worte eingebrannt im Gedächtnis des Steins. Ein Tosen hallt auf unser Atem bleibt stehen. Dann dauert der Augenblick in dem die Klinge loslässt nur eine Sekunde doch wir hören das Brechen von Ketten. Die Welt unter unseren Füßen versinkt langsam.

Der Schwur erweckt den Forst zu neuem Leben.

Der Forst atmet neu. Vögel kehren zurück Buchen knarren im Wind. Die marmorne Tafel ruht wieder in Stille. Spaten Hacke und Taschenmesser liegen am Fuß des Monoliths blutgetränkt und staubig. Die Regel erwacht fortan in jedem der ihren Schatten berührt. Wir verlassen den Schacht die Abendluft trägt neuen Duft. Eine Wandergruppe tritt hinaus von Gabelwurzeln gezeichnet und doch frei. Ihre Stimmen mischen sich mit dem Flüstern der Bäume. Möge niemand den Pfad erneut betreten ohne Ehrfurcht vor dem Gesetz der Erde.


Mit herzlichem Dank und staubigen Grüßen aus dem Zwielicht uralter Kammern,
Ihr Hüter der Erdenkraft und stiller Chronist verborgener Tore.

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*Der geneigte Leser möge entschuldigen, dass wir nicht erwähnen, welche Orte, Ortsnamen und Sehenswürdigkeiten im Verlaufe der vergangenen mehr als 100 Jahre, durch den ersten und zweiten Weltkrieg, viele Jahre entwickelte Sozialistische Gesellschaft und mehrerer Rechtschreibreformen verloren gingen oder geändert wurden.

Quellenangaben:
Inspiriert von moosbedeckten Baumstümpfen.
Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen,
Wikipedia – Spaten
Wikipedia – Taschenmesser
bpb – Ritual
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884

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