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­Drittes Kapitel.

Eine ordentliche Strafpredigt. - Die Gnade triumphiert. - Die Räuber. - Die Dämonen. - "Eine von Toms Lügen!"

Das setzte eine ordentliche Strafpredigt für mich von Miß Watson am andern andern Morgen über meine schmutzigen Kleider! Die Witwe aber, die zankte gar nicht, sondern putzte nur den Schmutz und Lehm weg und sah so traurig dabei aus, daß ich dachte, ich wolle eine Weile brav sein, wenn ich's fertig brächte. Dann nahm mich Miß Watson mit in ihr Zimmer und betete für mich, aber ich spürte nichts davon. Sie sagte mir, ich solle jeden Tag ordentlich beten, und um was ich bete, das bekäme ich. Das glaub' ein anderer! Ich nicht. Ich hab's probiert, aber was kam dabei heraus? Einmal kriegte ich wohl eine Angelrute, aber keine Haken dazu und ich betete und betete drei- oder viermal, aber die Haken kamen nicht. Da bat ich Miß Watson es für mich zu thun, die wurde aber böse und schimpfte mich einen Narren. Warum, weiß ich nicht, sie sagte es mir nicht und ich selbst konnt's nicht herausfinden.

Ich hab' dann lange im Wald gesessen und darüber nachgedacht. Sag' ich zu mir selber: wenn einer alles bekommen kann, worum er betet, warum bekommt dann der Nachbar Winn sein Geld nicht zurück, das er an seinen Schweinen verloren hat? Und die Witwe ihre silberne Schnupftabaksdose, die ihr gestohlen worden? Und warum wird Miß Watson nicht fetter? Nein, sag' ich zu mir, da ist nichts dran, das ist Dunst. Und ich ging zur Witwe und sagte ihr's und die belehrte mich, man könne nur um ›geistliche Gaben‹ beten! Da dies viel zu hoch für mich war, so suchte sie mir's deutlich zu machen: - ich müsse brav und gut sein und den andern helfen, wo ich könne und nicht an mich, sondern immer nur an die andern denken. Damit war auch Miß Watson gemeint, dachte ich und ging hinaus in den Wald und überlegte mir's wieder. Aber, meiner Seel', dabei kommt nur was für die andern heraus und gar nichts für mich und so ließ ich denn das Denken sein und quälte mich nicht länger damit. Den einen Tag nahm mich die Witwe vor und erzählte mir von der gütigen, milden Vorsehung, die's so gut mit dem Menschen meine und wie sie sich meiner in Gnaden erbarmen wolle, bis mir der Mund wässerte und die Augen naß wurden. Dann, vielleicht schon andern Tags, kam Miß Watson und ließ ihre Vorsehung donnern und blitzen, daß ich mich ordentlich duckte und den Kopf einzog. Es muß zwei zwei Vorsehungen geben, dachte ich mir, und ein armer Kerl wie ich, hat's sicher bei der Witwe ihrer besser, denn bei Miß Watson's ihrer ist er verloren. So dachte und dachte ich und nahm mir vor, zu der Witwe ihrer Vorsehung zu beten, wenn die sich überhaupt aus so einem armen, unwissenden, elenden, traurigen Kerl, wie ich einer bin, etwas macht und sich nicht viel wohler befindet ohne mich. -

Mein "Alter" war nun schon seit einem Jahre nicht mehr gesehen worden, was für mich nur eine Wohlthat war; ich hatte also kein Heimweh nach ihm. So lange er da war, verkroch ich mich meist im Wald, um mich vor seinen Schlägen zu retten; denn sobald er mich erwischte, - auch wenn er ganz nüchtern war - setzte es Prügel. Eines Tages sagten die Leute, man habe meinen Vater im Flusse, etwas oberhalb der Stadt, ertrunken gefunden. Sie meinten wenigstens, er müsse es sein. Sie sagten, der Ertrunkene sei gerade so groß, so zerlumpt gewesen und habe so ungewöhnlich langes Haar gehabt, was alles mit meinem Alten stimmte, das Gesicht aber war nicht zu erkennen gewesen, es hatte zu lange im Wasser gelegen. Sie verscharrten ihn am Ufer, aber ich war nicht ruhig, glaubte nicht an den Tod des alten Mannes und dachte, der würde schon mal wieder irgendwo auftauchen, um mich zu quälen und zu hauen.

Wir spielten hie und da einmal Räuber, vielleicht einen Monat lang und dann verzichtete ich auf das Vergnügen, - die anderen auch. Wir hatten keinen einzigen Menschen beraubt, keinen getötet, immer nur so gethan. Wir sprangen aus dem Wald und jagten Sautreibern nach oder hinter Frauen her, die Gemüse in Karren zum Markte führten, nahmen aber nie irgend etwas, oder irgend wen in unsre Höhle mit. Tom Sawyer nannte das Zeug Zeug das auf den Karren lag ›Goldbarren‹ und ›Edelgestein‹ und 's waren doch nur Rüben und Kartoffeln und wir gingen dann zur Höhle zurück und nahmen den Mund voll und prahlten, was wir alles gethan hätten, wie viel Kostbarkeiten geraubt und Leute getötet und Kreuze in die Brust geritzt. Aber allmählich fing die Sache an mich zu langweilen.

Eines Tages sandte Tom einen Jungen mit einem brennenden Kienspan, einem ›Feuerbrand‹ wie er es nannte, durch die Straßen der Stadt, das war das Zeichen für die Bande sich zu versammeln. Als wir alle bei einander waren, teilte er uns mit, wie er gehört, daß andern Tags ein ganzer Haufen spanischer Kaufleute und reicher ›Ah-raber‹ wie er sagte, samt zweihundert Elefanten und sechshundert Kamelen und über tausend ›Saumtieren‹ - was das für Tiere waren, wußte er selber nicht - alle schwer mit Diamanten beladen in der Nähe im ›Höhlen-Grunde‹ lagern wollten. Da nur eine kleine Bewachung von vielleicht vierhundert Soldaten dabei sei, sollten wir uns in ›Hinterhalt‹ legen, wie er's nannte, die Mannschaft töten und die Diamanten rauben. Er gebot uns unsere Schwerter zu wetzen, die Flinten zu laden und uns bereit zu halten. Er konnte niemals auch nur hinter einem alten Rübenkarren hersetzen, ohne daß die Schwerter und Flinten, die eigentlich Holzlatten und Besenstiele waren, mit von der Partie sein mußten. Ich für meinen Teil glaubte nun nicht, daß wir es mit einem solchen Haufen Spanier und Ah-raber aufnehmen könnten, hatte aber große Lust die Kamele und Elefanten zu sehen und stellte mich am Sonnabend zur bestimmten Stunde ein ein und legte mich mit in ›Hinterhalt‹. Tom kommandierte und wir brachen los, stürmten aus dem Walde und rannten den Hügel Hügel hinunter. Mit den Spaniern, den den Ah-rabern, Kamelen, Elefanten aber war's Essig. Nur Nur eine Sonntags-Schulklasse hatte einen Ausflug gemacht und sich im im Gras gelagert und noch dazu nichts als die allerkleinsten Mädchen. Wir jagten sie auf und rannten hinter den Kindern her, eroberten aber nur etwas Eingemachtes und ein paar Stückchen Kuchen, Ben griff nach einer Puppe und Joe nach einem Gesangbuch, aber als die Lehrerin kam, warfen wir die Sachen weg und rannten davon. Diamanten hatte ich ich ebensowenig gesehen und sagte das Tom auch. Es seien doch massenhaft dagewesen, erwiderte er, desgleichen Ah-raber und Kamele und alles. Warum haben wir's dann aber nicht gesehen? fragte fragte ich. Er sagte, wenn ich kein so Dummkopf wäre und ein Buch gelesen hätte, das ›Domkuischote‹ oder wie er's nannte, hieß, so wüßte ich warum, ohne ihn zu fragen. Er sagte, es sei alles nur Zauberei gewesen. Es wären hunderte von Soldaten und Elefanten und Schätze dort gewesen, aber wir hätten mächtige Feinde, Zauberer, die uns zum Trotz alles in eine Kleinkinder-Sonntagsschule verwandelt hätten. Darauf meinte ich, das sei alles ganz schön, dann wollten wollten wir einmal ordentlich gegen die Zauberer losgehen. Tom Sawyer sagte, ich sei ein Esel.

 "So ein Zauberer," sagte er, "würde ein ganzes Heer von Dämonen zu Hilfe rufen und die würden dich in Stücke hauen, ehe du Amen sagen könntest. Die sind so groß wie Bäume und so dick wie Kirchtürme."

"Gut," sagte ich, "laß uns doch ein paar Dämonen nehmen, die uns helfen, dann wollen wir die andern schon zwingen."
"Wie willst du sie denn bekommen?"
"Das weiß ich nicht. Wie kriegen die sie denn?"
"Die? O, ganz einfach. Die reiben eine alte Blechlampe oder einen eisernen Ring und dann kommen die Dämonen angesaust mit Donner und Blitz und Dampf und Rauch und was man ihnen befiehlt, das thun sie. Es ist ihnen eine Kleinigkeit, einen Kirchturm aus der Erde zu reißen und ihn dem nächsten besten um den Kopf zu hauen."
"Wer befiehlt ihnen denn?"
"Nun, der Zauberer, der die Lampe oder den Ring reibt und sie müssen thun, was er sagt. Wenn er ihnen sagt, sie sollen einen Palast bauen, vierzig Meilen lang und ganz aus Diamanten und und ihn mit Brustzucker oder Hustenleder, oder irgend etwas füllen und dann die Tochter vom Kaiser von China holen zum heiraten und - Gott weiß was noch - sie müssen's alles thun. Und wenn man den Palast wo anders hingestellt haben will, müssen sie ihn rings im Lande herum herum schleppen, bis er an der rechten Stelle ist, und" -
"Aber," sag' ich, "warum sind sie denn solche Esel und behalten den Palast nicht für sich selber, anstatt damit herumzukutschieren für andre. Wegen meiner könnte, wer wollte, eine alte Blechlampe oder einen eisernen Ring reiben bis er schwarz würde, mir fiel's drum doch nicht ein, zu ihm zu laufen und mir befehlen zu lassen."
"Wie du jetzt wieder redest, Huck Finn, du müßtest eben kommen, wenn du ein Dämon wärst und einer riebe den Ring, ob du wolltest oder nicht."
"Was? Und dabei wär' ich so groß wie ein Baum und so dick wie ein Turm? Gut, ich wollte kommen, ich käme, aber der riefe mich nicht zum zweitenmal, das kannst du mir glauben!"
"Pah, mit dir ist nicht zu reden, Huck Finn, du weißt und verstehst auch rein gar nichts - der vollkommenste Hohlkopf!" -
Zwei oder drei Tage lang überlegte ich mir nun die Sache, und dann beschloß ich zu probieren, ob wirklich etwas dran sei. Ich verschaffte verschaffte mir eine alte Blechlampe und einen eisernen Ring, ging hinaus in den Wald und rieb und rieb, bis bis ich schwitzte wie ein Dampfkessel, - ich hätte so gerne einen Palast zum verkaufen gehabt. Aber es war alles umsonst, es kam kein Donner und kein Blitz und kein Dampf und kein Rauch und am allerwenigsten ein Dämon. Da begriff ich denn, daß all' der Unsinn wieder einmal eine von Tom's Lügen gewesen war. Er glaubt vielleicht an die Ah-raber und die Elefanten, ich aber denke anders - es schmeckte alles zu sehr nach der Sonntagsschule. -

Quelle:
Mark Twain
Abenteuer und Fahrten des Huckleberry Finn
Erstes Kapitel
Verlag Robert Lutz
Stuttgart 1892

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Gott sei Dank, als es Nacht wurde, stießen wir vom Ufer

Eines Morgens bei Tagesanbruch fand ich ein Kanoe und fuhr damit von der Insel zum Ufer, dann etwa eine Meile unter Zypressen einen kleinen Fluß hinauf, um zu sehen, ob ich nicht einige Beeren pflücken konnte. Als ich an einem Ort vorüberkam, wo ein Kuhpfad den Fluß berührte, rannten zwei Männer herbei. Ich dachte schon, daß mir's nun an den Kragen gehen würde, denn ich fürchtete, sie wären hinter mir und Jim her. Ich wollte schon umkehren, sie waren aber ganz nah und baten mich, ihnen das Leben zu retten; sie hätten nichts gethan, würden trotzdem verfolgt und Männer mit Hunden wären hinter ihnen her. Sie wollten gleich zu mir in den Nachen springen. Die Weinlese begann mit moderaten Mostgewichten und zu erwartenden hohen Säuren. Diese waren allerdings einfach in den Griff zu bekommen; der Gesundheitszustand der Trauben war absolut in Ordnung, die Kerne reif und das Aroma wirklich gut. Dies finde ich persönlich nicht korrekt, jedoch gibt es sehr viele Betriebe, die dies so machen. Nur so viel dazu: Dass man einen Most, der in Richtung Erstes Gewächs/ Großes Gewächs gehen soll nicht mit der Maschine liest ist wohl klar. Auf die Unterschiede zum Beispiel der Qualität bei Hand- oder Maschinenlese will ich gar nicht mehr groß eingehen, denn das Thema wird hier im Netz in schöner Regelmäßigkeit behandelt. Ebenfalls klar ist auch, dass Betriebe ab einer gewissen Größenordnung an einer Maschinenlese nicht vorbei kommen. Wir waren wohl drey Stunden gestiegen, als es hinterwärts sachte wieder hinab zu gehen anfing und in einer Stunde zeit waren wir im Thal de Joux das also hoch auf dem Berge liegt einen schönen See hat und wo in zerstreuten Häusern bey 2000 Seelen wohnen. Grad über sahen wir den Montblanc der über alle Gebürge des Faucigny hervorsieht. Der fast volle Mond kam herauf, und wir höher; durch Tannen Wälder stiegen wir immer den Jura hinan, und sahen den See im Duft und den Wiederschein des Mondes drinne. es wurde immer heller. Die besten Voraussetzungen um die Mengen zu sichern, denn das Wetter war die ganze Zeit unklar und auch nicht immer vorteilhaft, da es warm und feucht war. Die Weinexperten treffen zusammen um das Eröffnungsdatum und den Terminplan der Weinlese festzulegen: zuerst die Familie der Pinots, danach der Muscat, der Sylvaner und dann der Gewürztraminer. Zuletzt wird der Riesling geerntet. […] Mehr lesen >>>


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Die Krone Polens - Codex Augusteus

Die Krone Polens behielt er 1714 und 1718 fiel Sachsen-Neustadt und Sachsen-Zeitz wieder an Kursachsen. Für Sachsen erließ August mehre heilsame Verordnungen, Physiker wurden in den Ämtern angestellt, das Schloß Waldheim zum Zucht- und Armenhaus eingerichtet, 1724 eine neue erläuterte Proceßordnung herausgegeben und der Codex Augusteus gesammelt, in Dresden viele prächtige Gebäude errichtet, die Kunstsammlungen mit größter Munificenz vergrößert und 1729 die Ritterakademie gestiftet, aber durch seine Prachtliebe, welche er durch glänzenden Hofstaat und Prunkfeste zeigte, wurde das Land in große Schulden gestürzt; so kostete 1730 das Lustlager bei Zeithain, bei welchem 49 fürstliche Personen anwesend waren, allein 968,000 Thlr. Codex Augusteus ist, das Geheime Kabinett wurde durch beständige Erweiterung seiner Befugnisse zur obersten Zentralbehörde gemacht und der Beamtenapparat unter einem Kammerpräsidenten mit loyalen Bürgerlichen besetzt. Ein Bergratskollegium, ein Geheimer Kriegsrat und ein Generalkriegsgericht wurden errichtet. Zu einem wirklichen Absolutismus kam es aber nie. Dies wurde noch 1717 im Streit des Kurfürsten einerseits und des sächsischen Adels sowie des aufstrebenden Bürgertums andererseits deutlich, wobei Anlass der Revolte der Übertritt des Kurprinzen zum Katholizismus war. Der 1724 erstmals in Leipzig gedruckte Codex Augusteus löste die Konstitutionen von 1572, das bis dahin umfangreichste sächsische Werk für Gesetze, Verordnungen, Mandate und Landtagsabschiede, ab und die neue Landtagsordnung von 1728 führte zu einer weiteren Einschränkung der Rechte der Stände. Die Herausgabe eines Staatshandbuches in Gestalt des Hof- und Staatskalenders erfolgte erstmals 1728. Für die Zeit seiner Abwesenheit von Sachsen ernannte August, ohne Bestätigung durch die Stände, 1697 bis 1706 den schwäbischen Reichsfürsten Anton Egon von Fürstenberg-Heiligenberg, seit 1698 auch Präsident des Generalrevisionskollegiums für die Abstellung von Missständen im Steuerwesen, zu seinem Statthalter ebenda. August der Starke war es auch, der den Juden erstmals seit ihrer Vertreibung 1430 wieder die Ansiedlung in Sachsen gestattete; eine große Rolle spielte hierbei auch sein Hofjude Lehmann, den er 1696 aus Halberstadt nach Dresden holte, wo in der Folge eine jüdische Gemeinde von einiger Bedeutung entstand. […] Mehr lesen >>>


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