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Die feinen Lauschlappen

Du warst allein, ich sah durchs Schlüsselloch den kraftlosen Lichtstrahl der späten Glühbirne noch. Was stand ich doch und trat überhaupt nicht ein? […] Mehr lesen

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Morgenrot Himmels Tor

Schlüpf schnell in deine goldnen Schuh', O rosenfingrig Kind! Des Himmels Tore gehen zu, Geh heim, geh heim geschwind!" Voll Angst blickt in die Höhe […] Mehr lesen

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Barrikaden wurden

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Erstes Kapitel. A

Huck soll "stevilisiert" werden - Moses in den "Schilfern" - Mik Watson - Tom Sawyer wartet. -

Kennen thut ihr mich wohl noch nicht, muß mich also selbst vorstellen und noch ganz geschwind erzählen, was ich bis jetzt alles erlebt habe. Viel ist's freilich nicht, das weiß ich selbst, aber da mein guter Freund Tom Sawyer viel dabei vorkommt und Tom ein solcher Held und Hauptkerl ist, auf den ich furchtbar stolz bin, so denke ich, will ich's doch einmal probieren. Also ich bin der Huckleberry Finn, eigentlich immer kurzweg Huck genannt. Meine Mutter, wenn ich je eine hatte, habe ich nie gekannt und mein Vater ist seines Zeichens der Trunkenbold der Stadt, der eben Gott sei Dank viel auswärts ist, aber immer ab und an einmal auftaucht, wobei dann stets mein Rücken sein blaues Wunder erlebt. Jetzt ist er schon seit geraumer Weile verschwunden, aber das Geld, fürcht' ich, wird ihn bald herlocken, wie der Honig die Wespen. Ja so, da sprech' ich von Geld und hab' doch noch gar nicht gesagt, wie ich zu Geld komme. Wir haben's nämlich den Räubern abgenommen, der Tom und ich, deren Höhle wir zufällig entdeckten, d.h. wir sahen aus sicherem Versteck zu, als sie's eingruben und machten uns hernach, als sie weg waren, dahinter und nahmen die Bescherung für uns. Die mögen schöne Gesichter gemacht haben, als sie das Nest leer fanden! Aber die Geschichte ist viel zu groß und zu lang um sie zu erzählen und so will ich nur sagen, daß wir also richtig das Geld erwischten und zwar einen ordentlichen Haufen, sechstausend Dollars für jeden von uns und der Bürgermeister nahm meinen Teil in Empfang und "legte ihn an", wie er sagte und ich habe nun jeden Tag einen Dollar zu verzehren. Ich - einen Dollar! Na, lange wird mich der Alte nicht in ungestörtem Besitz der Herrlichkeit lassen, das spüre ich schon in allen Gliedern. Tom Sawyer, das ist nämlich mein bester Freund, der Stolz, die Blüte, das Haupt von allen Jungens der Stadt, der ist glücklich, der hat noch eine Tante Polly, eine gute alte Seele und einen Bruder Sid und eine Schwester Mary und der muß in die Schule und kriegt seine Kleider allemal schön geflickt, wenn er sie zerrissen hat und setzt's dabei auch manchmal Hiebe, so giebt's doch auch ganze Hosen. Meine Lumpen flickte keiner, die hielten freilich auch keinen Stich mehr aus, und doch weiß ich nicht, was mir lieber war: die schöne alte Lumpenzeit, die Zeit, da ich mich ungefragt in Wald und Feld umtrieb, sich keiner um mich kümmerte, ich mir mein Essen bei mitleidigen Seelen zusammenbettelte oder irgendwie verschaffte und schlief, wo mich eben gerade die Nacht überraschte - oder jetzt! - Ja so, da hab' ich ja noch nicht gesagt, daß ich jetzt auch eine Heimat habe und zwar ein ganz ordentliches, steinernes Haus mit vielen Zimmern, und ich hab' auch mein eigenes und da steht ein Bett drin, ein wirkliches, wahrhaftiges Bett und in dem soll ich alle Nacht schlafen, wird mir aber zuweilen herzlich sauer und dann lege ich mich auf die Diele davor und ruhe mich so ein wenig aus. Das Haus gehört einer Witwe, die Douglas heißt und eine freundliche alte Frau ist und die probieren will, mich zu "sievilisieren", wie sie sagt. Das schmeckt mir aber schlecht, kann ich euch sagen, das Leben wird mir furchtbar sauer in dem Hause mit der abscheulichen Regelmäßigkeit, wo immer um dieselbe Zeit gegessen und geschlafen werden soll, einen Tag wie den andern. Einmal bin ich auch schon durchgebrannt, bin in meine alten Lumpen gekrochen, und - hast du nicht gesehen, war ich draußen im Wald und in der Freiheit. Tom Sawyer aber, mein alter Freund Tom, trieb mich wieder auf, versprach, er wolle eine Räuberbande gründen und ich solle Mitglied werden, wenn ich's probiere und noch einmal zu der Witwe zurückkehre und mich weiter "sievilisieren" lasse. Da that ich's denn.

Die Witwe vergoß Thränen, als ich mich wieder einstellte, nannte mich ein armes, verirrtes Schaf und sonst noch allerlei, womit sie aber nichts Schlimmes meinte. Ich mußte auch wieder in die neuen ganzen Kleider kriechen und weiter schwitzen drin, und mich quälen und den Krampf in allen Gliedern haben: und nun ging's vorwärts im alten Trab. Wenn die Witwe die Glocke läutete, mußte man zum Essen kommen. Saß man dann glücklich am Tisch, so konnte man nicht flott drauf los an die Arbeit gehen, Gott bewahre, da mußte man abwarten bis die Witwe den Kopf zwischen die Schultern gezogen und ein bischen was vor sich hin gemurmelt hatte. Damit wollte sie aber nichts über die Speisen sagen, o nein, die waren ganz gut so weit, außer daß alles besonders gekocht war und nicht Fleisch und Gemüse und Suppe, alles durcheinander. Eigentlich mag ich das viel lieber, da kriegt man so einen tüchtigen Mund voll Brühe dabei und die hilft alles glatt hinunter spülen. Na, das ist Geschmacksache!

Nach dem Essen zog sie dann ein Buch heraus und las mir von Moses in den "Schilfern" vor und ich brannte drauf, alles von dem armen kleinen Kerl zu hören. Da mit einemmale sagt sie, der sei schon eine ganze Weile tot. Na, da war ich aber böse und wollte nichts weiter wissen, - was gehen mich tote und begrabene Leute an? Die interessieren mich nicht mehr! -

Dann hätt' ich gern einmal wieder geraucht und fragte die Witwe, ob ich's dürfe. Da kam ich aber gut an! Sie sagte, das gehöre sich nicht für mich und sei überhaupt "eine gemeine und unsaubere Gewohnheit", an die ich nicht mehr denken dürfe. So sind nun die Menschen! Sprechen über etwas, das sie gar nicht verstehen! Quält mich die Frau mit dem Moses, der sie weiter gar nichts angeht, der nicht einmal verwandt mit ihr war und um den sich doch gewiß kein Mensch mehr kümmert da drunten unter der Erde und verbietet mir dabei das Rauchen, das doch gewiß mehr Wert für lebendige Menschen hat. Na und dabei schnupft sie, aber das ist natürlich ganz was andres und kein Fehler, weil sie's eben selbst thut.

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Die feinen Lauschlappen - Meiner Mami

Du warst allein, ich sah durchs Schlüsselloch den kraftlosen Lichtstrahl der späten Glühbirne noch. Was stand ich doch und trat überhaupt nicht ein? Auch brannte nur, und war mir doch, es müßte sein, daß ich noch einmal deine Stirne strich und liebevoll flüsterte: Wie lieb ich dich. Die alte schlechte Angst, dir rundheraus mein Mitgefühl zu beweisen, sie quält mich rund um die Uhr neu. Nun lieg ich durch die lange Nacht und horche in das Schweigen, ob vielleicht ein lichtvolles Denkzentrum bis heute wacht. Die erste große Gedichtsammlung, die Brecht im Exil schrieb, war Lieder Gedichte Chöre. Die berühmte Aussage Adornos lässt im Angesichts dieser Erkenntnis verstehen: Ein Gedicht nach Auschwitz zu schreiben, wäre barbarisch, weil kein Danach existiert, in dem Sinne, dass der Begriff leer ist; und zu versuchen, es aufrechtzuerhalten oder zu reetablieren, wäre moralisch verwerflich, konzeptuell hinfällig, und stünde dem Ausweg einer Zukunft entgegen, die in einer neuen Geschichtsphilosophie wieder definiert werden muss, radikal neu, einziges Mittel, nicht in die Katastrophe zurückzufallen. Zur Stapelware scheint Lyrik derzeit nicht zu taugen, sie fehlt auf Bestsellerlisten, schafft es keineswegs in jede Buchhandlung und muss sich dort oft genug in abgelegenen Regalen verstecken. Ein Gedicht zu schreiben, wäre barbarisch: nach, aber nicht in der Zeit von Auschwitz. Und aktuell, während der Leipziger Buchmesse, kann man sich von dem erstaunlich breiten Angebot an Lyrik-Bänden überzeugen. Eine Poetik des Postumen wie die Celans. Ich schlief aber nicht ein, denn in diesem Augenblick floß durch das Schlüsselloch der Kammertür, aus der Schlafstube der Eltern her, ein dünner, roter Lichtstrom zu mir herein, füllte die Dunkelheit mit einer schwachen zitternden Ahnung von Licht und malte auf die plötzlich matt aufschimmernde Tür des Kleiderkastens einen gelben, zackigen Fleck. Er sprach noch ein wenig mit der Mutter. Sachte hörte ich ihn in Strümpfen herumlaufen, und gleich darauf vernahm ich auch seine gedämpfte tiefe Stimme. Ich wußte, daß jetzt der Vater ins Bett ging. […] Mehr lesen >>>


Morgenrot Himmels Tor

Schlüpf schnell in deine goldnen Schuh', O rosenfingrig Kind! Des Himmels Tore gehen zu, Geh heim, geh heim geschwind!" Voll Angst blickt in die Höhe Das holde Morgenrot; Da sieht es oben, wehe! Den bleichen Liebling tot! Quelle: Vermischte Gedichte Ausgewählte Gedichte - Hermann von Lingg - 1905 www.zeno.org Zenodot Verlagsgesellschaft mbH Der Hahn ist aber nicht nur ein stolzer Kämpfer, sondern kündigt überall auf der Welt früh das Morgenrot an und weckt die Menschen vom Schlaf. Der Hahn als Symbol für Christus: das war natürlich für Evangelische ein passendes Symbol. Dorotheen war's, als ob der schneidende Windstoß ihr den Geruch fauler Äpfel entgegentrüge. Der Hahn ist ein stolzer Vogel, und wie jeder weiss, duldet er auf dem Hühnerhof keinen Konkurrenten. Weil die Evangelischen das so liebten, lehnten es die Katholischen ab, und setzten lieber ein Kreuz auf die Turmspitze, zumindest in gemischt konfessionellen Gebieten trifft man das häufig. Wie der Hahn mit seinem Ruf das Ende der Nacht und den Beginn des Tages verkündet, so besiegt Christus auch die Nacht der Sünde und erweckt den Menschen zum christlichen Glauben. Der Hahn steht für Christus, und der Hahnenschrei, der aus dem Schlaf reisst, steht für den Ruf des Erlösers, der die Menschen einmal aus dem Schlaf des Todes wecken wird. So kann man es also schon von aussen sehen, was das für eine Kirche ist. So war die Nacht allen unter mancherlei Vorsichtsmaßregeln schlaflos vergangen. Sie betrachtete den Schläfer lange; sie seufzte tief und schien Thränen abzutrocknen. Diese Zusage und das tröstliche Morgenlicht hatten alle Sorge gewendet. Das kann man schon im Tagesliederbuch »Cathemerinon« von Aurelius Clemens Prudentius (348 bis nach 405) nachlesen. So bekam er auch eine Bedeutung in der Religion. Aber auch damals war sie nicht bleibend; sie kam und ging vorüber. Wenn sich doch ein zweiter in sein Revier verirrt, ist der Hahnenkampf unvermeidlich. […] Mehr lesen >>>


Barrikaden wurden entfernt

Darauf wurden bis zum 20. die Barrikaden entfernt und die Ruhe kehrte äußerlich zurück. Inzwischen war nach dem Juniaufstand die Stellung der Parteien eine noch viel feindseligere geworden und es wurde offner als je für die Republik gewirkt (wie ein im August zu Altenburg tagender Congreß thüringischer Demokraten die Einführung einer thüringischen Republik unter seine Beschlüsse aufnahm), die Angriffe gegen das Ministerium wurden immer heftiger, das Militär wurde immer schwieriger gemacht, in mehren kleinen Fabrikstädten des Landes erhoben sich Arbeiterbewegungen. Den gleichen Effekt hatte die Reaktion überall, und das beginnende freiheitlichkritische Denken hörte auf, die parlamentarischen Illusionen wurden wieder ein Ideal, sobald ihre 1848er Wirklichkeit vorüber war, und in den sechziger Jahren begann eine neue Blüte nicht der Freiheit, sondern der Autorität, des parlamentarischen Kampfes um die Staatsmacht an Stelle des Barrikadenkampfes mit gleichem Ziel: der Eroberung der Macht. o auf Barrikadenbahnen Nur drei Tage sich gewehrt, Und beim vierten Ruf des Hahnen Unter schwarzrotgoldnen Fahnen Hat das Volk, was es begehrt! Zu hundertkieligen Flotten vereinigt, wagen sie zuweilen auch jetzt noch den Angriff auf einen europäischen Kauffarteifahrer. Daher begab sich 4. Mai der König nebst seiner Familie und den Ministern nach dem Königstein. Die sonnendurchflimmerte Wasserfläche selber belebt von Tausenden von kleinen Wohnschiffen, Sampans genannt. Erst wenn die Nacht hereinbricht, erheben die von der sengenden Hitze erschlafften Gräser wieder ihre Halme, und die Lebewesen der Dunkelheit erwachen aus ihrem Tagesschlafe. Wer haette nicht damals sich mitten auf die Strasse stellen und seine Stimme laut erschallen lassen moegen, um vor hereinbrechenden Gefahren zu warnen? Kein Baum spendet den Reisenden mehr seinen Schatten, unbarmherzig brennt die Sonne vom wolkenlosen Himmel herunter. Herr Ebenich hatte die letzten Worte kaum mehr recht verstanden. Nun ging's in einem raschen Hundetrab bequem genug über wohlgepflegte Kieswege durch breitschattige Alleen hin. Er überwand sie, indem er auf Backbordseite einstieg und auf Steuerbord wieder aus. […] Mehr lesen >>>


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